Helen Keller Intl Hero

Helen Keller Intl

Foto von Annie Spratt auf Unsplash
Helen Keller Intl Logo

Kurzbeschreibung

Versorgt Kleinkinder in Subsahara-Afrika zweimal jährlich mit hochdosierten Vitamin-A-Kapseln und senkt so die Kindersterblichkeit.

Organisation

Helen Keller Intl ist eine 1915 gegründete gemeinnützige Organisation mit Sitz in New York, die Mangelernährung sowie vermeidbare Blindheit und Sehverlust in Ländern Afrikas und Asiens bekämpft und in den Vereinigten Staaten Sehtests an Schulen durchführt. Diese Seite behandelt nur eines ihrer Programme: die Vitamin-A-Supplementierung (VAS) für Kinder von 6 bis 59 Monaten in Subsahara-Afrika. Es ist das Programm, das GiveWell als Top-Charity empfiehlt, nicht die Organisation als Ganzes.

Das Problem: Vitamin-A-Mangel

Vitamin A ist zentral für Immunfunktion, Epithelgesundheit und Sehen. Fehlt es, steigen Schwere und Letalität von Masern, Durchfallerkrankungen und Atemwegsinfektionen, und es drohen Nachtblindheit, Xerophthalmie und bis hin zur Keratomalazie dauerhafte Erblindung. In den Regionen, für die die Kosteneffektivität modelliert wird, sind schätzungsweise 28 % der Kinder betroffen.1

Der Mangel entsteht dort, wo die Ernährung kaum tierische oder angereicherte Produkte enthält, die Infektionslast hoch ist und Basisgesundheitsdienste schwer erreichbar sind. Die WHO empfiehlt in solchen Regionen zwei bis drei Gaben pro Jahr für Kinder von 6 bis 59 Monaten.2 Die Messung bleibt schwierig: Erhebungen stützen sich auf biochemische Marker und klinische Zeichen und liegen nicht für alle Länder regelmäßig vor.

Ansatz

Helen Keller Intl führt die Kampagnen nicht selbst durch, sondern finanziert staatliche Programme und leistet technische Unterstützung. Üblich sind zwei Runden pro Jahr, in den meisten Ländern von Tür zu Tür, in Nigeria über feste Verteilstellen mit Outreach.2 Die Mikroplanung beginnt rund sechs Wochen vor einer Runde; Trainings laufen im Train-the-Trainer-Verfahren, die soziale Mobilisierung über fünf Tage rund um den Kampagnenstart, die Supervision gemeinsam mit den Gesundheitsbehörden.

Verabreicht werden 100.000 IU an Kinder von 6 bis 11 Monaten und 200.000 IU an Kinder von 12 bis 59 Monaten, indem die Kapsel aufgeschnitten und der Inhalt direkt in den Mund gegeben wird. Die Verteilung übernehmen Community-Distributoren des öffentlichen Gesundheitssystems oder Kräfte mit Aufwandsentschädigung. Die Kapseln selbst stiftet Nutrition International mit Mitteln der kanadischen Regierung. Die Abstimmung mit UNICEF und Nutrition International darüber, wer welche Region übernimmt, läuft über die Global Alliance for Vitamin A. Häufig werden Entwurmung, Polio-Nachimpfungen oder ein Screening auf akute Mangelernährung mit ausgeliefert. Da Polio-Kampagnen seltener werden, an die sich VAS früher günstig anhängen ließ, gewinnen eigenständige Strukturen an Bedeutung.

Wirkung

Die Evidenz stammt aus randomisierten Studien, zusammengefasst in einer Cochrane-Metaanalyse. Deren Ergebnis hängt vom Auswertungsmodell ab: 12 % Sterblichkeitsreduktion im Fixed-Effects-Modell, 24 % im Random-Effects-Modell.3

Wie viel davon heute noch gilt, ist die entscheidende offene Frage, denn die tragenden Studien stammen aus den 1980er und 1990er Jahren. GiveWell hat sie 2026 erneut geprüft, unter anderem auf Publikationsbias und Dosierungsfrequenz, und schätzt die Wirkung in den heute geförderten Kontexten seither auf 1 bis 11 % statt der zuvor angesetzten 4 bis 12 %; die jüngste Auszahlung an Helen Keller Intl bewertet GiveWell trotz der Korrektur als 25-mal so kosteneffektiv wie den eigenen Vergleichsmaßstab.4 Die Seite zum im Dezember 2024 vergebenen Zuschuss, zuletzt im Dezember 2025 aktualisiert, nennt für dieselben Orte 3 bis 11 %. Beide Angaben stehen derzeit nebeneinander, die niedrigere ist die jüngere.5 Der Programmbericht auf der Website von GiveWell trägt die älteren Zahlen weiterhin.

Kosteneffektiv ist das Programm, weil die Bereitstellung so wenig kostet: im Länderschnitt rund 1 US-Dollar pro Kapsel, in den Orten des jüngsten Zuschusses eher 0,90 US-Dollar, mit einer Spanne von 0,50 US-Dollar in Niger bis 1,50 US-Dollar in Burkina Faso.25 Für ein Kind sind das etwa 2 US-Dollar im Jahr. Für die 2022 bis 2024 vergebenen Mittel setzt GiveWell im Schnitt 3.500 US-Dollar pro gerettetem Leben an.1

Die Reichweite ist der zweite Treiber. In den ausgewerteten Coverage-Surveys liegt die mediane Abdeckung bei 85 % der Zielgruppe, die niedrigste bei 61 %, die höchste bei 94 %; zwei Drittel der erhobenen Kampagnen erreichten die von der Organisation angestrebten 80 %.2 Nach eigenen Angaben verteilte Helen Keller Intl 2025 mehr als 94,4 Millionen Kapseln.6

Transparenz

Helen Keller Intl veröffentlicht Coverage-Surveys, Kostendaten und Angaben zu den Beiträgen anderer Akteure. Die Surveys arbeiten mit zweistufiger Klumpenstichprobe und elektronischer Datenerfassung; unabhängige Monitore und Supervisoren besuchen etwa 10 % der Haushalte erneut, um die Antworten zu prüfen.2

Die Grenzen dieser Daten benennt GiveWell deutlich. Erhoben wird meist nur eine der beiden Jahresrunden und manchmal nur ein Teil der Regionen, nicht zufällig ausgewählt; die durchführenden Teams wissen teils vorab, wo gemessen wird, und die Organisation hat selbst einen Fall berichtet, in dem Verantwortliche einer solchen Region mehr Aufmerksamkeit widmeten. Befragungen laufen bevorzugt außerhalb der Regenzeit, und die Angaben der Betreuungspersonen unterliegen Erinnerungs- und Zustimmungsverzerrung. GiveWell rechnet die berichtete Abdeckung deshalb um 17 % herunter. Bei den Kosten hält GiveWell die Werte für vier Länder für unplausibel niedrig, vermutlich weil Ausgaben anderer Akteure fehlen, und rechnet dort mit einem Durchschnitt von 1,02 US-Dollar pro Kapsel.2 Auch in der Evidenzbewertung setzt GiveWell Vitamin A eine Stufe niedriger an als die drei anderen Top-Charities.1

In der qualitativen Bewertung liegt die Organisation auf den meisten der acht Kriterien im Mittelfeld der Top-Charities und sticht in keinem hervor; GiveWell hält fest, dass sie die genannten Monitoring-Probleme weniger ernst nehme als der Evaluator selbst.2 Eine Rückschau vom Mai 2025 auf eine Erweiterung nach Nigeria aus dem Jahr 2021 kam zu dem Ergebnis, dass die Mittel weniger Kinder erreichten als erwartet, weil Helen Keller Intl einen höheren Anteil der Gesamtkosten trägt als angenommen, und dass GiveWell den Zuschuss im Rückblick kleiner bemessen hätte.7

Aktuelle Projekte

Die Angaben unten stammen aus dem im Dezember 2024 empfohlenen Zuschuss über 23,6 Millionen US-Dollar, dem jüngsten veröffentlichten. GiveWell rechnet für das gesamte Paket mit rund 7.600 abgewendeten Kindstoden und schätzt es im Schnitt als 25-mal so kosteneffektiv ein wie Direktzahlungen, je nach Ort zwischen dem 7-Fachen und dem 79-Fachen, bei einer Förderschwelle vom 8-Fachen.5

DR Kongo

Juli 2026 bis Juni 2027

5,4 Millionen US-Dollar und damit der größte Einzelposten des Zuschusses, 23 Prozent. Vitamin A läuft hier überwiegend über die Regelversorgung in Gesundheitseinrichtungen, ergänzt um Nachfasskampagnen am Ende jedes Halbjahres.5

Kamerun

Juli 2026 bis Juni 2027

5,1 Millionen US-Dollar, 22 Prozent des Zuschusses. Die geschätzte Kosteneffektivität liegt mit dem 8,1-Fachen knapp über der Schwelle; GiveWell benennt die Größe des Postens selbst als Risiko, falls die Schätzung danebenliegt.5

Niger

Juli 2026 bis Juni 2027

2,9 Millionen US-Dollar. Die Auslieferung einer Kapsel kostet hier rund 0,50 US-Dollar, weniger als an jedem anderen geförderten Ort, und die geschätzte Kosteneffektivität ist mit dem 79-Fachen die höchste im Zuschuss.5

Guinea

Juli 2026 bis Juni 2027

1,95 Millionen US-Dollar. GiveWell rechnet das Land als Beispiel vollständig durch: rund 950.000 erreichte Kinder, davon etwa 780.000, die sonst keine Kapsel bekommen hätten, rund 470 abgewendete Todesfälle und damit rund 6.600 US-Dollar je abgewendetem Tod.5

Burkina Faso

Juli 2026 bis Juni 2027

1,4 Millionen US-Dollar. Mit dem 6,9-Fachen liegt der Ort unter der Förderschwelle und wird trotzdem weiter finanziert, weil eine nationale Erhebung von 2020 dort einen hohen Vitamin-A-Mangel gemessen hat, während die Daten für die meisten anderen Länder veraltet sind.5

Adamawa und Taraba, Nigeria

Juli 2026 bis Juni 2027

1,05 Millionen US-Dollar für Adamawa, 565.000 für Taraba, dazu 422.000 an nationalen Unterstützungskosten. Adamawa liegt mit dem 7,8-Fachen knapp unter der Schwelle und wird wegen der geringen Summe und der Schwierigkeit eines späteren Wiedereinstiegs weiterfinanziert. Verteilt wird in Nigeria über feste Stellen mit Outreach statt von Tür zu Tür.25

Niger State, Nigeria

Januar 2025 bis Dezember 2027

900.000 US-Dollar für den Aufbau der Kampagnen in einem neu aufgenommenen Bundesstaat, mit dem 9,4-Fachen über der Schwelle. Der Posten ist bewusst klein gehalten, weil er zugleich ein Test dafür ist, wie gut sich das Programm in einen neuen Bundesstaat skalieren lässt.5

Madagaskar

2023 bis 2027sechs Regionen

6 Millionen US-Dollar über vier Jahre, aus einem eigenen Zuschuss vom April 2023 und damit außerhalb des Pakets von Dezember 2024.8

Aus Côte d'Ivoire sowie den nigerianischen Bundesstaaten Benue und Ebonyi hat GiveWell die Förderung Ende 2024 zurückgezogen, weil die geschätzte Kosteneffektivität dort unter der Schwelle lag. Über Nasarawa ist noch nicht entschieden.5

Warum der Geld für die Welt Fonds Helen Keller Intl finanziert

Für dieses Programm spricht, dass es eine Prüfung überstanden hat, die zu seinen Ungunsten ausging. GiveWell hat die Evidenz 2026 noch einmal von Grund auf geprüft und die erwartete Wirkung nach unten korrigiert. Auch mit der niedrigeren Schätzung liegt die Kosteneffektivität weiterhin um ein Vielfaches über dem eigenen Vergleichsmaßstab. Nur wenige Programme lassen sich überhaupt so genau nachrechnen, und noch weniger halten dieser Rechnung stand.

Dass diese Rechnung möglich ist, liegt an der Organisation selbst: Helen Keller Intl veröffentlicht die Abdeckungs- und Kostendaten, auf denen sie beruht, auch die, die die eigene Arbeit schlecht aussehen lassen. Zusammen mit mehr als fünfzig Jahren Erfahrung in genau dieser Intervention9 und festen Arbeitsbeziehungen zu den Gesundheitsministerien der geförderten Länder ist das der Grund, warum der Geld für die Welt Fonds an diese Organisation auszahlt.

Footnotes

  1. GiveWell, „Our Top Charities“. givewell.org 2 3

  2. GiveWell, „Helen Keller Intl's Vitamin A Supplementation Program“. givewell.org 2 3 4 5 6 7 8

  3. GiveWell, „Vitamin A Supplementation“. givewell.org

  4. GiveWell, „Podcast Episode 27: Scrutinizing One of Our Longest-Funded Programs“. blog.givewell.org

  5. GiveWell, „Helen Keller Intl, Vitamin A Supplementation (December 2024)“. givewell.org 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

  6. Helen Keller Intl, „Combatting Vitamin A Deficiencies“. helenkellerintl.org

  7. GiveWell, „Lookback: Grant to Helen Keller Intl for Vitamin A Supplementation in new Nigerian states“. givewell.org

  8. GiveWell, „Helen Keller Intl, Vitamin A Supplementation (Madagascar, April 2023)“. givewell.org

  9. Helen Keller Intl, „Support Our Vitamin A Work“. helenkellerintl.org

Verwandte Artikel

Verwandte Artikel werden geladen...