Geld für die Welt Auszahlungsmethodik
Geld für die Welt spendet jährlich zwei Prozent des Fondsvermögens
Unser Ziel ist es, mit jeder Spende über die Zeit möglichst viel zu bewirken. Dahinter steht die Idee der geduldigen Philanthropie1: Statt eingehende Spenden sofort vollständig auszuschütten, investieren wir sie und geben jedes Jahr einen festen Anteil weiter. So entsteht Vermögen, das durch die stetigen Auszahlungen kontinuierlich Gutes bewirkt. Entscheidend ist dabei nicht, die einzelne Jahresauszahlung, sondern, dass die Summe aller Auszahlungen langfristig möglichst groß wird.
Konkret schütten wir jedes Jahr zwei Prozent des Fondsvermögens an effektive Spendenpartner aus. Den Auszahlungen steht eine erwartete Jahresrendite von rund sieben Prozent2 gegenüber, sodass das Vermögen in Summe um etwa fünf Prozent pro Jahr wächst. Über die Jahre entsteht so ein Zinseszinseffekt, durch den der Fonds langfristig mehr ausschütten kann, als jemals in ihn eingezahlt wurde.
Warum genau zwei Prozent? Die Quote ist das Ergebnis einer ökonomischen Optimierung3, die frühere gegen spätere Wirkung abwägt: Eine höhere Quote bedeutet frühere Zahlungen an unsere Spendenpartnern, bremst aber das Wachstum des Fonds; eine niedrigere Quote lässt das Vermögen schneller wachsen, verschiebt die Auszahlungen aber in die Zukunft. Bei zwei Prozent ist die Gesamtsumme aller Auszahlungen über die Lebensdauer des Fonds am größten. In die Berechnung fließen die erwartete Kapitalrendite, der abnehmende Grenznutzen zusätzlicher Spenden und die Risiken zeitverzögerter Auszahlungen ein.
Unser Modell zur Berechnung der optimalen Spendenquote findest Du hier.
Ein zentraler Vorteil der festen Quote: Wir schütten auch in Verlustjahren aus, also gerade dann, wenn Spendenpartner oft am stärksten unter Finanzierungsdruck4 stehen. So bleiben die Auszahlungen geglättet und verlässlich planbar, statt an einzelne Börsenjahre gekoppelt zu sein.
Die langfristige Wirkung einer Spende
- Kein Markt-Timing. Wir setzen auf langfristiges Wachstum, statt auf kurz- oder mittelfristige Schwankungen zu reagieren.
- Kein aktives Stock-Picking. Wir bilden den Markt rein über ETFs ab (70 % MSCI World ESG, 30 % MSCI Emerging Markets ESG).
- Keine Sonderausschüttung in Krisen. Es bleibt bei zwei Prozent.
- Keine Kürzung in guten Jahren. Auch bei sehr hoher Rendite werden nur zwei Prozent ausgezahlt.
- Kein Substanzverzehr. Die erwartete Rendite (7 %) liegt deutlich über der Auszahlungsquote (2 %).
Von 2016 bis 2023 wurden jährlich 70 % der positiven Fondsrendite ausgeschüttet, in Verlustjahren nichts. 2024 haben wir aus zwei Gründen auf die feste Zwei-Prozent-Regel umgestellt:
- Prozyklisch ist suboptimal. Die alte Regel pausierte in Verlustjahren (2018, 2022), also genau dann, wenn der Spendenbedarf am höchsten ist.
- Substanzverzehr in volatilen Phasen. Erholte sich der Markt nach einer Übertreibung nach unten, schüttete die alte Regel 70 % dieser reinen Aufholbewegung aus. So floss Substanz ab statt echter Rendite.
Mehr dazu im Jahresbericht 2023.
Quellen
- Mehr dazu in unserem Spendenratgeber: „Warum es sich beim Spenden lohnen kann, geduldig zu sein“. Die Idee der geduldigen Philanthropie (Spenden zu investieren und erst später auszuschütten) ist nicht neu; ein klassisches Beispiel sind die Stiftungen von Benjamin Franklin (1790), deren Kapital über bis zu 200 Jahre wuchs. Die moderne ökonomische Begründung, auf der unser Modell aufbaut, stammt vor allem von Philip Trammell am Global Priorities Institute der University of Oxford. ↩
- Aus den historischen Aktienrenditen lassen sich belastbare Rückschlüsse auf künftige Renditen ziehen. Ein vielzitiertes Paper untersucht die langfristigen realen Renditen aller wichtigen Anlageklassen, darunter Aktien. Auf Basis von Daten aus 16 entwickelten Volkswirtschaften zwischen 1870 und 2015 wird die durchschnittliche reale Aktienrendite auf 7 % geschätzt. Wir gehen daher von einer erwarteten Rendite von 7 % aus. ↩
- Das Modell, mit dem wir die optimale Quote berechnen, ist als interaktives Google-Colab-Notebook einsehbar. ↩
- Der Bedarf an gemeinnütziger Hilfe steigt tendenziell in wirtschaftlich schwachen Jahren, während die privaten Spendeneinnahmen zugleich zurückgehen. Siehe etwa Andreoni (2011), „The Market for Charitable Giving“, Journal of Economic Perspectives 25(2), 157–180. ↩